Donnerstag, 11. Februar 2010

Ägypten Jan.2010



Die ägyptische Fähre brachte uns von Wadi Halfa in Sudan nach Aswan in Aegypten. Wir fuhren zweite Klasse - also auf dem Deck. bereits um neun Uhr morgens liefen wir in den Hafen von Aswan ein. Doch zufrüh gefreut: So einfach geht es in Aegypten nicht! Und dies hier sollte erst der Vorgeschmack dafür sein, was uns hier noch erwarten würde. Wir ankerten also etwas ausserhalb des Hafens.

Dann wurde die Kantine zum Büro umfunktioniert und dann ging es los. Erst mussten alle, jeder Passagier einzeln - bei den ägyptischen Gesundheitsbehörden vorsprechen. Waren alle durch, wurden Plätze getauscht. Neue Beamten kamen an Bord und das ganzen ging nochmals von vorne los - diesmal allerdings um die Einreiseformalitäten zu erledigen. Stunden später kam dann etwas Bewegung unter die Passagiere und alle drängten zum Ausgang . . . wo sie sogleich vom zuständigen Zollbeamten abgefangen und mit wüstem Gebrüll am Verlassen des Schiffes gehindert wurden. Denn, erst mussten die Passagiere der "schwarzen Liste" einzeln aufgerufen werden. Jeder einzelne musste sich dann durch die wartende Menschenmenge einen Weg in die Freiheit erkämpfen. Das ganze dauerte weitere Stunden. Als nächstes wurden die Waren ausgeladen, die schienen es eilig zu haben. Und sowieso ist das Entladen der Fähre viel einfacher, wenn die Gänge mit Passagieren und ihrem Gepäck verstopft sind! Und dann, endlich, wurden wir von mürrischen Aegyptern in die Freiheit enlassen.

Wobei ganz frei waren wir noch immer nicht. Unser Auto sollte ja Wadi Halfa erst an diesem Tag per Frachtschiff verlassen und wir es dann am übernächsten Tag aus dem Hafen befreien können. Wir in Aegypten und Kerim in Sudan - kein gutes Gefühl. Und unser Gefühl wurde noch schlechter, als uns am Tag darauf mitgeteilt wurde, dass sich das Eintreffen der Fähre noch um ein paar Tage verzögern könne . . . sie liege nämlich noch im Hafen von Wadi Halfa!

Das Warten dauerte schliesslich fast eine Woche, in der wir Aswan erkundeten, uns an die vielen Touristen gewöhnten und einen ersten Vorgschmack auf Aegypten bekamen.




und erst dann konnten wir Kerim aus dem Zoll "freikaufen". Dazu benötigten wir einen "Agenten". Dieser stellte uns einen Fahrer zur Seite und dann gings los.





Erst zur Verkehrspolizei um Formulare zu kaufen. Damit bewaffnet ging es dann die 15Km zum Hafen. Dort wurde Eintritt bezahlt (!) und nochmals Formulare gekauft. Und gings ans löschen der Ware. Wir wurden quer durch den Hafen geführt und ein Frachter mit Kerim an Bord kam in sicht. Und endlich konnten wir uns vergewissern, dass noch alles ganz und unser treuer Kerim wolauf war. Und dann durften wir ihn über ein paar Balken an land fahren.




Doch damit hatte sich die Sache noch lange nicht erledigt. Zurück im Büro konnte der Zuständige vom Zoll unsere Fahrzeugpapiere abstempeln - nicht aber, bevor wir nicht eine grössere Summe "Einreisegebühr" in einem eigenen Kassenraum entrichtet worden war. Kommentar: "You are rich, no problem for you!" Anschliessend gings in die Stadt um bei der "Motorfahrzeugkontrolle" weitere Formulare zu kaufen.



Dann wurde noch ein Techniker eingeladen und gemeinsam fuhren wir wieder zum Hafen. Der Techniker las dann brav die Chassisnummer des Autos ab und schrieb diese in ein Formular. Dafür wurde er mit Zigaretten bezahlt und wieder an seinem Arbeitsort abgeladen. Jetzt waren wir fast schon durch. Nochmals war ein Besuch bei der Verkehrspolizei auf dem Programm - nochmals etwas bezahlen und bei dieser Gelegenheit mussten wir gleich noch eine (für Touristen obligatorische) Haftpflichtversicherung für ausländische Fahrzeuge - zu ausländischen Preisen - lösen. Und jetzt galt es, unsere aegyptischen Nummern abzuholen. Leider war der entsprechende Schalter schon geschlossen und musste mittels eines Baksheesh (Schmiergeld) wieder geöffnet werden. Jetzt noch zurück zum Hafen und das Nummernschild anbringen. Zum Schluss wurde Kerim noch auf gefährliche Waffen durchsucht und wir von zuständigem Sicherheitspersonal auf allfällige Mängel an unserem Fahrzeug aufmerksam gemacht. Und nach über sieben Stunden Bürokratie und einem leeren Portemonaie waren wir endlich frei.

Jetzt möglich schnell tanken und dann zurück in die Stadt. Aber bereits die erste Tankstelle war von der Feuerwehr abgesperrt. Wir hielten trotzdem an und wurden sofort von Sicherheitsleuten in schwarzen Anzügen und dunklen Sonnenbrillen darauf hingewiesen, dass wir hier nichts zu suchen hätten. Also machten wir uns auf den Weg zur nächsten Tankstelle. Die Strasse, welche von Flughafen und Hafen in die Stadt führte war menschenleer . . . abgesehen von sonnenbebrillten Anzugträgern mit Pistolen im Hosenbund, welche alle zwanzig Meter, Gesicht von der Strasse weg, am Strassenrand standen. Bei der nächsten Tankstelle dasselbe Spiel. Geschlossen, kein Benzin, Weg hier! Wir gaben den nervösen Sicherheitsmenschen in einer längeren Diskussion zu verstehen, dass wir schon weiterfahren koennten. Dies aber zur Folge habe, dass wir schon bald mitten auf der Strasse stehenbleiben würden. . . und plötzlich hatte es doch Benzin! Aber nur unter der Bedingung, anschliessend sofort diese Strasse zu verlassen. Wir willigten ein, tankten voll und verliessen dann brav die Strasse in Richtung Stadtzentrum. Später hörten wir, dass das ganze Spektakel mit einem Besuch des Präsidenten Mubarak zusammenhing und dieses Vorgehen sei aus Angst vor Ausschreitungen normal.



Die nächsten Tage durchfuhren wir Wüsten (verfuhren uns dort auch kurz). Wir besuchten Luxor mit seinen uralten Tempeln - und waren NICHT alleine.






Denn, halb Russland schien gerade Badeferein zu machen. Damit verbunden war auch eine kurzer Ausflug zu den Tempeln Luxors . . . in entsprechender Kleidung. Von hier fuhren wir erst entlang des Nils und dann entlang des Roten Meeres nach Kairo.





Kairo als Stadt war gross mit ein bisschen Verkehr und vielen Menschen. Hier versuchten wir wieder einmal Kerim in eine Werkstatt zu schleifen. Doch, wie schon bekannt, konnte ihm dort nicht geholfen werden. Denn Kerim ist kein Afrikaner - und somit finden sich keine Teile für ihen! Ausserdem organisierten wir unser Jordanisches Visum und besuchten die Pyramiden . . . wo wir mehrmals von Polizisten zurecht gewiesen wurden. Denn fotografieren ist nur von den Parkplätzen aus erlaubt, und sicher nicht von irgendwo dazwischen! Ausserdem wurde bemängelt, dass unser ägyptisches Nummernschild nicht regelkonform befestigt sei. Die Touristenpolizei, dein Freund und Helfer. Zum Schluss wollten wir keine Parkgebühren bezahlen - wir hatten schliesslich schon Eintritt für uns und das Auto (!) bezahlt.
Wir wurden kurzerhand vom Gelände verwiesen!




Nach dem enttäuschenden Pyramidenbesuch verliessen wir Cairo noch am selben Morgen und fuhren in Richtung Osten. Ein Tunnel unter dem Suezkanal brachte uns in wenigen Minuten auf die Halbinsel Sinai. Diese durchquerten wir, dann in ein paar Stunden. Wir wollten nur noch raus aus diesem Land. Denn, bereits wenige Tage nach unserer Ankunft in Aegypten hatten wir die Nasen schon gestrichen voll. Wir verbrachten insgesamt zwei Wochen in diesem Land und schworen uns täglich, nie mehr hierhin zurück zu kehren. Dies aus verschiedenen Gründen aber hauptsächlich, weil wir von allen Seiten ständig belogen wurden. Um jeden kleinsten Betrag wurde man betrogen, um jeden Tee musste man feilschen . . . und trotz ausgemachten Preis am Ende auch noch Streiten. So waren wir von den Menschen hier einfach sehr enttäuscht, wurden sogar von der Touristenpolizei schikaniert (ist ja auch deren Aufgabe) und vom Machogehabe der ägyptischen "Hengste" wollen wir gar nicht sprechen. Aegypten wohl ein wunderschoenes Land mit einer faszinierenden Vergangenheit, doch wurden wir von den Menschen immer und immer wieder enttäuscht - denn am Ende wollten sie alle nur Geld.

Aber ganz so schmerzlos sollte es doch nicht gehen. Um Aegypten auf dem Landweg verlassen zu können müsste man Israel durchqueren. Nur wenige Kilometer, doch reicht dies aus, um dann an der Syrischen Grenze nicht eingelassen zu werden. So blieb uns keine andere Wahl, als per Fähre von Nuweiba in Aegypten nach al Aquaba in Jordanien zu schiffen.

Die zu bewältigende Strecke beträgt nur einige wenige Kilometer, doch dauert die Überquerung über 12 Stunden und kostet ein paar hunder Franken. Wobei wir für unser Auto natürlich wie in Aegypten üblich einen Ausländerpreis zu bezahlen hatten. Während die Überfahrt für einen 40 Tonnen-Lastwagen. Nach der Bewältigung der sechsstündigen Zollformalitäten im Hafen durften wir nochmals ein paar Stunden vor der Fähre warten und dann war es soweit. Nichts wie raus aus Aegypten! Die Überfahrt dauerte dann nochmals vier Stunden und wir erreichten den Jordanischen Hafen morgens um ein Uhr.
Nie mehr Aegypten!